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Richard Spencer, Chef des National Policy Institute und Rassist.

Wenn man in einem neuen Hollywoodfilm die Rolle eines amerikanischen Neonazis besetzen müsste, Richard Spencer wäre erste Wahl. Kantiges Gesicht, blaugraue Augen, blonde Haare, an den Seiten kurz rasiert, bulliger Körper. Und das beste ist: Spencer ist sogar ein Neonazi. Seit Jahren schon setzt er sich für ein „arisches Vaterland“ ein und betont die Überlegenheit der weißen Rasse.

Einer breiteren Öffentlichkeit ist Spencer bislang nicht bekannt. Das ändert sich nun, seit Donald Trump die Wahlen gewonnen und seit der künftige Präsident Stephen Bannon als Chefberater ins Weiße Haus berufen hat. Bannon ist nämlich nicht nur selbst für rassistische und antisemitische Äußerungen und Texte in die Kritik geraten. Er ist auch der Chef von Breitbart News, einem Online Portal, das im wesentlichen Texte von rechten bis rechtsextremen Autoren veröffentlicht. Bannon nannte seine Website früher einmal eine Platform für die „Alt-Right“-Bewegung. Alt-Right ist ein euphemistischer Begriff, der übersetzt „alternative Rechte“ bedeutet, aber nur ein anderes Wort für Neonazis ist. Der Erfinder dieser Formulierung ist laut eigenem Bekunden niemand anderes als Richard Spencer.

Er und seine Anhänger glauben jetzt – wahrscheinlich nicht zu Unrecht –, dass sie wenn nicht gleich Einfluss auf die Regierungspolitik, so doch zumindest mit ihren rassistischen Ideen eine Vertretung im Weißen Haus haben. Zumal Spencer sich zumindest äußerlich so harmlos gibt, wie die Formel „alternative Rechte“ klingt. Er tritt stets in unauffälligen Dreiteilern auf, die er beim Herrenausstatter Brooks Brothers kauft, dessen Kollektionen von bieder bis bürgerlich reichen – und gewiss keine Bomberjacken bieten. Dazu trägt er gerne teure Schweizer Uhren und goldene Ringe.

Wer jedoch hinter die Fassade blickt und seine Aussagen der vergangenen Jahre verfolgt, kommt schnell zu dem Schluss, dass er seinen Rassismus kaum kaschiert. In einem Interview mit dem Sender NPR sagte er vor einiger Zeit: „Was ich unbedingt will, ist ein sicherer Raum für Europäer. (…) Es wäre ein Raum für Deutsche, für Slawen, für Kelten Es wäre ein Raum für weiße Amerikaner.“ All die Minderheiten in den USA haben darin keinen Platz.

Spencer kann sich allerdings auch gewählter ausdrücken, wie die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center herausfand. Sie verweist auf einen fast akademisch klingenden Text, in dem Spencer zu dem Schluss kommt: „So lange die Weißen ihre eigene Identität nicht annehmen, noch dazu in einer Zeit, in der jede andere Rasse oder Ethnie ihre Identität entdeckt und behauptet, haben sie keine Chance, ihrer Enteignung etwas entgegenzusetzen.“

Trump ist für Spencer und seine rassistischen Freunde der Garant für eine einwanderungsfeindliche Politik, die nach dem Auszug des schwarzen Mannes aus dem Weißen Haus endlich den Weißen in Amerika wieder zu ihrem Recht verhelfen soll. Kein Wunder, dass sie am Wochenende unweit des Weißen Hauses die Sektkorken knallen ließen und Spencer freudig ausrief: „Let’s party like it’s 1933.“ Lasst uns feiern, als sei es 1933. Seine Anhänger quittierten das mit dem Hitlergruß. Und das war keine Szene aus einem Hollywoodfilm.