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Alexis de Toqueville by Thédore Chassériau

Amerikaner bewundern erfolgreiche Geschäftsleute. Schon Alexis de Toqueville ist das aufgefallen. In seinem Buch „Über die Demokratie in Amerika“ schrieb er 1840, dass in keinem Land der Erde die Liebe zum privaten Eigentum so ausgeprägt ist wie in den Vereinigten Staaten. Und der deutsche Soziologe Werner Sombart konstatierte 1906 in einem Werk zu der Frage „Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus?“: „So sehen wir in jedem Amerikaner – vom Zeitungsjungen angefangen – eine Unrast, ein Sehnen, ein Streben nach oben, hinauf, über die anderen hinweg. (…) Und daher nun die Hast …, der r ü c k s i c h t s l o s e   W e t t b e w e r b  auf allen Gebieten.“

 

So funktionierte Amerika über Jahrhunderte – vom Tellerwäscher zum Millionär –, so sieht es sich ohne Skrupel noch heute gerne. Und genau deshalb wandern auch unvermindert so viele Menschen in das Land ein. Jeder will dort sein unveräußerliches Recht wahrnehmen, nach Glückseligkeit zu streben, was in Amerika ja gern mit Wohlstand gleichgesetzt wird. Wer sollte das besser verstehen als Donald Trump, der reiche Geschäftsmann, der gerissene Architekt eines Immobilienimperiums.

Doch was bleibt einem Mann, der wie Trump schon fast alles erreicht hat? Die Präsidentschaft. Also kandidiert er für das höchste Amt im Staate und ließ sich auch von den Widerständen in seiner eigenen Partei und vielfältiger Kritik in den Medien nicht aufhalten. Gerade in ökonomisch schwierigen Zeiten, behauptet Trump, muss ein Unternehmer wie er ran. Einer, der wirklich etwas von Wirtschaft versteht.

Das klingt plausibel. Nur: Bislang gibt es in der amerikanischen Geschichte keinen Beleg für diese These. US-Präsidenten, die zuvor Geschäftsleute gewesen sind, können nicht mehr Erfolge in der Wirtschaftspolitik vorweisen als andere. Schlimmer noch: Sie waren oft genug lausige Politiker – wie George W. Bush. Nicht viel besser sind die Ergebnisse, wenn man in die Zwanzigerjahre zurückgeht und die Leistungen von Herbert Hoover betrachtet, einem vormals geachteten Unternehmer. Als 1929 die Börse zusammenbrach, erhöhte er die Steuern und die Zinssätze, während er gleichzeitig die Staatsausgaben reduzierte.

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Erfolgreicher Geschäftsmann, schwacher Politiker: Präsident Herbert Hoover.

 

Diese Politik scheiterte kläglich und erst sein Nachfolger, der ökonomische Laie Franklin D. Roosevelt (aus reicher Familie, aber ohne jegliche unternehmerische Erfahrung), führte Amerika aus der Krise. Ähnlich erfolgreich waren Nicht-Unternehmer wie Ronald Reagan oder Bill Clinton. Der einzige US-Präsident mit Business-Erfahrung, der eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik im 20. Jahrhundert verantwortete, war Harry S. Truman – dessen Herrenausstattungsgeschäft nach zwei Jahren Pleite gegangen war. Vielleicht ja eine nützliche Erfahrung.

Man muss kein nobelpreisgekrönter Ökonom wie Paul Krugman um zu wissen: Betriebswirtschaftliche Erfahrungen nutzen wenig, ja schaden bisweilen, wenn es darum geht, eine schwächelnde Wirtschaft zu kurieren (s.o.). Dieser Erkenntnis dürften nicht einmal Neoliberale widersprechen. Und sicher niemand, der dank des Unternehmers Donald Trump seinen Job verloren hat. Davon gibt es ja nicht wenige.

Bleibt die alte amerikanische Weisheit: Wenn Du wie ein erfolgreicher Republikaner leben willst, wähle einen Demokraten ohne unternehmerische Erfahrung. Eine wie Hillary Clinton. Das hat die Mehrheit trotz ihrer Wertschätzung für große Unternehmer offenbar begriffen. Ebenso wie die Tatsache, dass kluge Politik und Führungsqualitäten viel wichtiger sind als ein dickes Konto.