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Grenzzaun mit Kameras und Richtmikrofonen. / Photo by Steven Geyer

 

SAN DIEGO. Dermot Rogers ist selbst Einwanderer: Er kam mit 17 aus Belfast in die USA, ist heute stolzer amerikanischer Staatsbürger, geweihter katholischer Priester – und nennt sich Bischof. Von der katholischen Kirche hat er sich losgesagt, um mit einer Reformkirchgemeinde in San Diego (Kalifornien) den Worten des aktuellen Papstes ganz direkt zu folgen, wie er sagt: durch konkrete Hilfe für Migranten an der Grenze zu Mexiko.

Beim Versuch, in die USA zu kommen, seien seit der „Militarisierung der Grenze“ Mitte der 90er rund 11.000 Menschen ums Leben gekommen, so Rogers. Mit seiner Gemeinde versucht er das zu verhindern – etwa durch Wasserflaschen-Verteilen in der Wüste – und die Kontakte zwischen Eingewanderten in San Diego und deportierten oder zurückgebliebenen Familienmitgliedern aufrecht zu erhalten. Auch mit gerade-noch-legalen Treffen am meterhohen, intensiv bewachten Grenzzaun.

Beim Besuch an der Grenzanlage vor Tijuana, zwischen Sumpf und Wüste, grüßt er die en ihn die US-Grenzschützer höflich: Sie seien eher Partner als Gegner, erklären sie. Rogers sieht das etwas anders: Er fühlt sich in seinen Projekten behindert, oft von den Grenzschützern schikaniert.

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Father Desmont Rogers an der US-mexikanischen Grenze / Photo by Steven Geyer

 

Tatsächlich streiten sie sich schon um Worte: die Grenzschützer nennen die Grenzanlage einen Zaun, die Aktivisten wie Rogers sprechen von einer Mauer: „Wenn man es nicht überwinden kann, wenn man nicht einmal durchfassen kann, wenn im Schnitt zwei Menschen am Tag sterben, beim Versuch es zu überwinden – dann ist es eine Mauer“, sagt er. „Der beste Vergleich, den wir haben, ist die Berliner Mauer.“ Das würden die Grenzschützer nicht gerne hören – aber sie können: An den riesigen Masten mit Überwachungskameras und Radaranlagen sind auch Richtmikrofone, die angeblich jedes Wort hörbar machen, das an der Grenzanlage gesprochen wird.