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Von Steven Geyer

Die Capital Communications Group ist eine der führenden Politikberatungsfirmen in Washington D.C., sie berät diverse US-Ministerien, Medien wie CNN, Stiftungen und sogar das Weiße Haus – von dem das CapComm-Büro nur einen Steinwurf entfernt sitzt. Ihr Präsident Akram Elias, 56, (Foto) ist spezialisiert auf die islamische Welt und Integrationspolitik – und steht selbst für eine Erfolgsgeschichte: Mit 17 floh er vor dem Bürgerkrieg im Libanon, studierte in den USA – und blieb.

Über den aktuellen Wahlkampf spricht er nur „als Analyst“, wie er sagt. Der einzige historische Vergleich der ihm einfällt, geht weit zurück: 1828 wurde Andrew Jackson zum siebten Präsidenten der USA gewählt, nachdem er eine „populistische Bewegung“ gegen die bisherige Elite gegründet hatte und dabei vor allem die Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner versprochen hatte. Er hielt Wort, Tausende „Indianer“ starben, das heutige Reservat-System entstand.

Dass im derzeitigen Wahlkampf Integration und Einwanderung wieder so ein großes Thema ist, schreibt Elias einem typischen US-Phänomen zu: Jede neue Welle an Einwanderung stößt zunächst auf Widerstand durch die Amerikaner – das galt für Iren, Chinesen, Juden, Japaner und nun eben auch für Hispanics. Ein Sonderfall seien aber die Muslime: Ihnen schlage heftigere Ablehnung entgegen: seit dem 11. September. Anders als bei früheren Konflikten wird dieser eben keiner Nationalität zugeschrieben, sondern einer Religion.

Akram Elias / Photo by Steven Geyer

Elias erzählt, dass er selbst vor 15 Jahren in Berlin festsaß: Sein Rückflug nach Washington war am 11. September in der Luft und kehrte auf halber Strecke wieder um. „Ich bekomme bis heute Gänsehaut“, sagt er, „wenn ich an die Solidarität denke, die uns in Deutschland entgegenschlug.“ In jeden Tagen habe er nirgends mehr eine Mahlzeit bezahlen müssen, sobald jemand erfuhr, dass er Amerikaner ist, erzählt er. Und die Tränen schießen ihm in die Augen. Aus dem libanesischen Einwanderer ist längst ein waschechter amerikanischer Patriot geworden.