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Einwanderungsland unter Druck: Die USA, schon als „Nation of Immigrants“ gegründet, waren immer stolz darauf, Einwanderungsland zu sein. In der Realität knirschte und krachte es freilich auch schon immer, was die Integration der Neuankömmlinge anging. Und doch ging es letztlich immer mehr oder weniger gut. Aber bleibt das so?

Eine kleine Serie zur Wahl von Steven Geyer:

Ist die heftige Ablehnung von Muslimen und Migranten durch viele weiße Amerikaner, die den Populisten Donald Trump ins Weiße Haus spülen könnte, stärker als in früheren Krisenzeiten? Wie kann „Integration in eine multikulturelle Gesellschaft“ dennoch gelingen? Um das vor Ort zu erkunden, haben das US-Außenministerium, die U.S. Embassy Berlin und das Austauschprogramm Cultural Vistas sechs deutsche Journalisten zu einer Zwei-Wochen-Tour durch die USA eingeladen. Der Zufall will es, dass wir ausgerechnet am 11. September ankommen: 15 Jahre nach dem Tag, der die Einwanderungsgesellschaft USA und ihre Integrationsdebatte vor ganz neue Herausforderungen stellte …

 

US Integration Tour I: 9/11 in D.C.

WASHINGTON, Natürlich ist der 15. Jahrestag von 9/11 kein Sonntag wie jeder andere in den USA, erst recht nicht in ihrer Hauptstadt. Am Morgen nimmt Präsident Obama am Pentagon an einer Gedenkfeier teil, die zu dem Zeitpunkt beginnt, als eins der von Terroristen entführte Flugzeuge in den Sitz des US-Verteidigungsministeriums einschlug. Am Weißen Haus weht derweil, wie an allen öffentlichen Gebäuden, die Flagge auf Halbmast. Die Sicherheitsmaßnahmen sind aber nicht mehr mit früheren 9/11-Jahrestagen zu vergleichen: eine zusätzliche Absperrung, etwas mehr Polizei, ansonsten ist alles sommerlich locker – auch die Touristen aus ganz Amerika und der Welt, die für Selfies vor der US-Machtzentrale posieren. Und doch haben die Anschläge vor 15 Jahren das Land nachhaltig verändert: vor allem gespalten. Oder wäre ein Präsidentschaftskandidat Trump ohne die neue Angst vor dem Fremden, ohne den Frust derer, die sich von Obama vernachlässigt fühlen, denkbar gewesen? Im Souvenirshop gegenüber dem Weißen Haus ist jedenfalls sogar schon ein Präsident Trump denkbar: Neben Scherzartikeln gibt es auch sein Wahlkampf-Cap mit dem Slogan „Make America great again“ – schon jetzt von einem Sticker geadelt: „White House Gift Shop“.