Trump-Architektur

Trump-Eleganz / Photo by Dominic „Dome“, Flickr

 

Am häufigsten fragen Menschen auf Google in den USA derzeit: Wird Trump seinen Wahlkampf aufgeben? Zwei Wochen nach dem Parteitag der Republikaner, bei dem der Immobilienmogul mit viel Tamtam zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, zweifeln mehr Amerikaner denn je daran, dass Donald J. Trump der richtige Mann für die Aufgabe ist. Und mit Aufgabe ist in der öffentlichen Debatte erst einmal bloß der Wahlkampf gemeint.

Normalerweise kommt ein Kandidat für die Präsidentschaft gestärkt aus dem Parteitag und greift schwungvoll die Kandidatin der anderen Partei und deren Unterstützer an. Das wäre in diesem Jahr besonders leicht, da Hillary Clinton nicht sonderlich beliebt ist und selbst eine Reihe von Fehlern im Wahlkampf begangen hat. So hat sie gerade erst gesagt, FBI-Direktor James Comey habe die Wahrhaftigkeit gelobt, mit der sie bei der Aufklärung der E-Mail-Affäre aus ihrer Zeit als Außenministerin geholfen habe. Dem war beileibe nicht so, wie er kürzlich sogar bei einem Kongress-Hearing ausgesagt hat. Ihr Umgang mit dieser Affäre ist gelinde gesagt unglücklich und verschärft immer wieder ihr größtes Problem bei den Bürgern: fehlende Glaubwürdigkeit.

Jede klassische Wahlkampagne der Republikaner würde gnadenlos an diesem Defizit ansetzen und mit der Gewalt einer Schlagramme den Wählern einbläuen, dass sie deshalb nicht wählbar ist. Nicht so Donald Trump. Er hat zwar vor einer Weile die griffige Formel „crooked Hillary“ (betrügerische Hillary) geprägt, doch seit dem Parteitag hat er sich kaum zu seiner Konkurrentin geäußert. Stattdessen liegt er im Clinch mit seiner eigenen Partei und verheddert sich in einer Debatte mit Kriegsveteranen, indem er voller Häme über die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten herzieht.

Das erschreckt vor allem viele Konservative und lässt sie Trump teils heftig widersprechen. Die Wahlkampagne des Kandidaten scheint völlig außer Kontrolle und mehr mit ihm selbst beschäftigt als mit irgendetwas anderem. Psychologen attestieren ihm mittlerweile nicht nur eine narzisstische Persönlichkeitsstörung – sie meinen, Trump personifiziere sie in vollendeter Form. Genau deshalb zeugt die Google-Frage nach seinem Rückzug von einem großen Missverständnis.

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Diesen Kandidaten würden die Republikaner nur los, wenn er plötzlich ins Koma fiele oder mit seinem protzigen Trump-Flieger im Bermudadreieck verschwände. Denn er hat Spaß: Er genießt die Aufmerksamkeit der Medien und der Fans – und er weiß präzise, was er tun muss, um stets im Fokus des Interesses zu bleiben.

Ihn interessiert weder die Zukunft seiner Partei – die allmählich dabei ist, sich aufzulösen – noch konkrete Politik. Als er überlegte, den republikanischen Gouverneur von Ohio, John Kasich, zum Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen, bot er Kasich an, der könne sich im Fall eines Wahlsieges um die gesamte Außen- und Innenpolitik kümmern. Auf die Frage, wofür er dann zuständig sein wolle, antwortete Trump: Aus Amerika wieder ein großartiges Land machen! („Make America great again!“) – was in seiner Vorstellungswelt nur er schaffen kann.

Trump wird diesen Wahlkampf bis zum Ende führen – und das muss für ihn kein bitteres sein. Dafür sprechen etliche Faktoren. Zum einen hassen seine Anhänger das republikanische Partei-Establishment genauso abgründig wie Hillary Clinton. Das gilt vor allem für Politiker wie Senator John McCain oder den Sprecher des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, die Trump nun zum wiederholten Male kritisieren. Zum anderen hat seine Kandidatur eine starke Basis bei Menschen, die ohne ihn gar nicht wählen würden. Für sie ist die Haltung der Partei irrelevant. Die aktuellen Umfragen und Berichte zu Wahlspenden zeigen: Trump steht trotz seiner offenkundig erratischen und chaotischen Wahlkampfführung nicht wirklich schlecht da – und nicht viel schlechter als die bisher letzten republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Aussagekräftig sind die Umfragen derzeit allerdings ohnehin nur bedingt. Schauen wir mal, wie es in sechs bis acht Wochen aussieht, wenn die Leute wieder aus dem Urlaub zurück sind und sich wirklich für den Wahlkampf zu interessieren beginnen.

Der wichtigste Grund für einen möglichen Trump-Erfolg ist allerdings das antiquierte Wahlsystem der USA. Der Kandidat muss nämlich keineswegs die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen – das hat außer George W. Bush 2004 seit 28 Jahren ohnehin kein Republikaner geschafft –, er muss lediglich in einigen sogenannten Swing States gewinnen, also jenen Staaten, in denen sich die Bürger mal für einen Demokraten und mal für einen Republikaner entscheiden. Es geht vor allem um Florida, Ohio und Pennsylvania. Dort liegt Trump in zahlreichen Umfragen teils gleichauf oder knapp hinter Clinton. Und: Republikanische Gouverneure haben in diesen Staaten Wahlgesetze erlassen, die es Minderheiten erschweren, ihre Stimme abzugeben, indem sie etwa einen Führerschein als Ausweis verlangen, den viele Schwarze oder Latinos gar nicht haben. Das trifft im wesentlichen Wähler der Demokraten.

Angesichts all dieser Faktoren könnte es sein, dass US-Bürger schon bald googeln: Was tun, wenn Donald J. Trump Präsident wird?