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Bruderkuss von Donald Trump und seinem britischen Alter ego: Boris Johnson / Photo by duncan c – Flickr

 

Die Briten wollen raus aus der EU. Werden jetzt die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten wählen? Unwahrscheinlich, denn Vergleiche hinken

Von Damir Fras

WASHINGTON.  Wenn Alistair Dorrinson Recht hat, dann haben sich die Briten nicht nur für den Ausstieg aus der EU entschieden, sondern sich zugleich auch eines weit verbreiteten Vergnügens beraubt. Jedenfalls sagte der Besitzer eines Pubs im Norden Londons jetzt der US-Zeitschrift „The New Yorker“, die Briten hätten nach dem Brexit-Referendum kein Recht mehr zu behaupten, dass die Amerikaner dümmer seien als sie. Aber noch habe er Hoffnung, so Dorrinson weiter, dass sich das im November nach der Präsidentschaftswahl in den USA wieder ändern werde.

Ein Blick auf Trumps Reaktion vom begnadeten Satiriker John Oliver:

 

Der Text war eine Satire, den Pubbesitzer gibt es nicht. Aber  Parallelen zwischen dem Referendum in Großbritannien und der anstehenden Wahl in den USA gibt es tatsächlich. Vor allem Donald Trump, der in etwa drei Wochen zum offiziellen Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner bestimmt werden dürfte, hat – ähnlich wie die Brexit-Befürworter – an das Bauchgefühl der Wähler appelliert und es damit weit gebracht. Der Populist aus New York konnte in den Vorwahlen etwa 14 Millionen Stimmen auf sich vereinen. Dass Trump nun das Brexit-Votum aus Großbritannien als ein gutes Vorzeichen für einen Wahlerfolg gegen Hillary Clinton am 8. November sieht, ist aus der Sicht des Immobilienmilliardärs nur konsequent.

Trumps Erfolg steht im Wesentlichen auf drei Säulen einer populistischen Sündenbock-Strategie: Viele weiße Amerikaner, vor allem jene mittleren Alters, sehen sich als Globalisierungsopfer und scheinen deswegen bereit, Fakten zu ignorieren und sich stattdessen Gefühlen hinzugeben. Trumps mantraartiges Versprechen, Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen, empfinden sie zumindest als Trost. Auch ist in den USA der Zorn auf die Washingtoner Polit-Eliten so stark ausgeprägt wie in kaum einem anderen entwickelten Land der Welt. Zudem schürt Trump erfolgreich die Angst vor Einwanderern und Flüchtlingen.

Trumps Parolen sind einfach zu verstehen. Sein Slogan „Make America great again“ mag schlicht sein, aber er ist eingängig. Seine Konkurrentin Hillary Clinton hat es dagegen viel schwerer, ihre Botschaft zu vermitteln. Denn sie lässt sich ungleich schwerer in leicht zu verstehende Phrasen packen.

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Die „schweigende Mehrheit“ reicht wahrscheinlich nicht. / Photo by Gage Skidmore – Flickr

 

Ähnlich wie der britische Premierminister David Cameron ist Clinton eine Pragmatikerin. Sie warnt vor radikalen Veränderungen und vor Chaos, sollte Trump zum Präsidenten gewählt werden. Stattdessen verspricht die Ex-Außenministerin Stabilität und schrittweise Veränderung. Das brachte ihr zirka 16 Millionen Stimmen in den Vorwahlen ein. Doch Clintons innerparteilicher Konkurrent Bernie Sanders kam auf elf Millionen Stimmen – viele davon auch von Wählern, die ein gestaltetes „Weiter so“ ablehnen.

Oberflächlich betrachtet könnte das Brexit-Votum der Briten also tatsächlich so etwas wie ein Omen für die US-Präsidentschaftswahl sein. Dennoch hinken alle Vergleiche.

Die Zahl der nicht in Großbritannien geborenen Wählerinnen und Wähler betrug 13 Prozent, in den USA werden es im November mehr als 25 Prozent sein. Und Trump hat mit seinen Rufen nach dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko sowie nach der Abschiebung der elf Millionen Illegalen im Land wahrscheinlich weite Teile der Latino-Wählerschaft verprellt. Ohne die Stimmen der Einwanderer aus Lateinamerika dürfte es für Trump nicht zu einer Mehrheit der Stimmen im Wahlmänner-Kollegium reichen.

Denn die Zahl der weißen Wahlberechtigten geht beständig zurück. Im Jahr 2000 stellte diese Gruppe 78 Prozent der Wahlberechtigten, im Herbst dieses Jahres werden es nur noch 69 Prozent sein. Angehörige der nicht-weißen Minderheiten (Latinos, Afro-Amerikaner, Amerikaner asiatischer Herkunft) aber wählten in der Vergangenheit deutlich öfter die Demokraten als die Republikaner.

Auch könnte das Wahlsystem eher Clinton als Trump nutzen. Wie das Beispiel von George W. Bush im Jahr 2000 zeigt, kann ein Kandidat Präsident werden, ohne die  Mehrheit der abgegebenen Stimmen zu bekommen. Wichtig sind dagegen Siege in bevölkerungsreichen Bundesstaaten, in denen viele Angehörige von Minderheiten leben.