Trump street art

Straßenkunst mit Trump / Photo by Matt Brown, Flickr

Manch liberaler Beobachter jubiliert jetzt schon. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner entlässt seinen Wahlkampfcheforganisator, rutscht in den Umfragen ab, muss etliche Gegenstimmen auf dem Parteitag fürchten und hat zu wenig Geld in der Kampagnenkasse. Ist er damit schon am Ende? Nicht so schnell, liebe Demokraten!

 

Was in normalen Wahlkämpfen vom Niedergang eines Kandidaten zeugen würde, heißt im Falle von Donald Trump nicht viel. Schon bei den Vorwahlen war das Ende seiner Kampagne desöfteren vorhergesagt worden. Anfangs auch von den Autoren dieses Blogs. Gestimmt hat es nie. Trump beschimpft den berühmtesten Kriegshelden der Republikaner John McCain als „Verlierer“, weil er in Vietnam in Kriegsgefangenschaft geraten war. Ein Aufschrei der Empörung – keine Konsequenzen. Trump verunglimpft die Einwanderer aus Mexiko als Vergewaltiger und Verbrecher – nichts passiert. Trump macht sich über Frauen lustig und erniedrigt eine der populärsten und erzkonservativen Moderatorinnen bei Fox News – erstauntes Augenrollen. That’s it.

Beispiele für sein beispielloses Verhalten lassen sich ohne Ende finden. Und ebenso Beispiele für das beispiellose Versagen seiner Partei und der Medien, die statt ihn bloßzustellen und zu verurteilen, immer wieder zurückgewichen sind vor der Wucht von Trumps egomanischer Kampagne. Kein Wunder, denn der Milliardär und rechte Populist war unglaublich erfolgreich. Dank seiner brutal politisch unkorrekten Reden und Statements hat er fast 14 Millionen Stimmen in den Vorwahlen erhalten – mehr als jeder andere republikanische Kandidat vor ihm.

Samantha Bee hat es in ihrer neuen Sendung toll zusammengefasst:

 

Kein Gegenkandidat hat bislang ein Rezept gegen Trump gefunden, weil es in diesem Wahlkampf anscheinend weniger um die wirklichen Verhältnisse im Lande geht, sondern um eine gefühlte Wirklichkeit – und die ist absolut faktenresistent. Es kommt für Trump gar nicht darauf an, ein konsistentes Programm zu präsentieren, solange er das richtige Gespür für die Stimmung im Land hat. Viele Kritiker sagen nun, das werde sich im richtigen Wahlkampf ändern, wenn es nicht nur darum geht, die Anhänger der Republikaner zu überzeugen, sondern auch die unabhängigen Wähler.

Das stimmt bis zu einem gewissen Grad gewiss. Und zweifellos sprechen vielen Statistiken für Clinton, da die Demokraten bei Präsidentschaftswahlen seit Jahrzehnten mehr Staaten ziemlich sicher gewinnen als die Republikaner. Deren Kandidat hat also per se eine schlechtere Ausgangsbasis, zumal die demographische Entwicklung günstig ist die Demokraten: Mehr Einwanderer und Menschen mit Migrationshintergrund werden wählen – und tun dies bislang meistens für die liberalere Partei.

Obama würde eine dritte Amtszeit unter den gegebenen Umständen locker gewinnen. Und Hillary Clinton? Hat es nicht so leicht. Sie hat bislang weder ein überzeugendes Programm, geschweige denn ein Vision, noch ist sie besonders beliebt – um es noch freundlich zu formulieren. Sicher, sie hat eine formidable Wahlkampagne, weit mehr und professionellere Mitarbeiter und deutlich mehr Spenden als Trump. Doch ob das reicht, ist durchaus ungewiss. Schließlich ist es noch ein langer Weg zum Weißen Haus. Die aktuelle Krise des republikanischen Kandidaten könnte sogar zum rechten Augenblick kommen, um seine Wahlkampagne effektiv zu reorganisieren und die bisherigen Mängel zu beseitigen.

Stephen Colbert glaubt nicht daran:

 

Doch gelingt Trumps neuem Team dieser Neustart, wird es erst richtig spannend. Denn bisher liegt er trotz einer teils chaotischen Kampagne laut Umfragen in den Swingstates, die mal demokratisch, mal republikanisch wählen, nur knapp hinter Clinton. Dieser Wahlkampf geht gerade erst los. Mit dem Jubeln sollten die Demokraten also lieber noch ein wenig warten.