Der Vorwahlkampf in den USA geht zu Ende. Der Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump wird eine schmutzige Angelegenheit. Das ist schon jetzt klar.

 

Ein einzigartiger Vorwahlkampf geht in den USA zu Ende. Endlich, es ist ja kaum noch zu ertragen gewesen. Er war außergewöhnlich, weil es ein politisch völlig unerfahrener Scharlatan vermocht hat, zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu werden und die konservative Partei in den USA in eine tiefe Sinnkrise zu stürzen. Er war außerordentlich, weil es einem älteren, weithin unbekannten Senator auf der anderen Seite des politischen Spektrums gelungen ist, die haushohe Favoritin in fast der Hälfte der Bundesstaaten zu schlagen, und somit auch die demokratische Partei in den USA in eine tiefe Sinnkrise zu stürzen.

Aber nach den Vorwahlen vom Dienstagabend steht fest, dass sich Donald Trump und Hillary Clinton um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama streiten werden. Es wird ein einzigartiger Wahlkampf, wahrscheinlich schmutziger und gemeiner als die meisten Wahlkämpfe vor ihm. Denn beide Kandidaten, die von den jeweiligen Parteitagen im Juli noch als Kandidaten offiziell bestätigt werden müssen, sind so unbeliebt im amerikanischen Wahlvolk, wie es noch nie der Fall war in den vergangenen Jahrzehnten.

Ex-Außenministerin Clinton wird ihre jahrzehntelange Arbeit als Politikerin in der Washingtoner Regierungs- und Parlamentsblase zum Vorwurf gemacht, so als sei schon ihre Erfahrung bereits der Grund für die Misere des Landes. Der Begriff Establishment dient derzeit nur noch als Schimpfwort. Er bringt den Blutdruck zumindest jener Amerikaner in gesundheitsgefährdende Höhen, die ihren Hass auf Washington als Ausdruck eines besonderen Freiheitswillens und der Notwendigkeit eines umfassenden Föderalismus kaschieren und dabei in Kauf nehmen, dass das Land und die Gesellschaft immer mehr auseinanderbrechen.

Clinton ist in ihren Augen eine Weiter-so-Politikerin. Ihr Charisma reicht leider auch nicht aus, um diesem Eindruck wirkungsvoll zu begegnen. Sie ist weder eine begeisternde Rednerin wie der amtierende Präsident Obama noch eine gnadenlose Populistin wie ihr Konkurrent Donald Trump. Hillary Clinton steht, wenn man so will, für das alte Amerika der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wie die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton so etwas wie Aufbruchstimmung im Land auslösen will, ist bislang ihr Geheimnis geblieben. Mutmaßlich wird es dazu auch nicht kommen.

Trump wiederum ist zwar das Gegenteil dieses mitunter altbacken wirkenden Politikstils. Das liegt vor daran, dass die Stillosigkeit  das Markenzeichen des New Yorker Milliardärs ist, der sein Geld mit Baugeschäften und mit Reality-Fernsehen gemacht hat. Er ist ebenfalls kein begnadeter Redner, aber er ist ein Schreihals. Doch wo Clinton wenigstens mit einem gewissen Maß an Inhalten langweilt, ist bei Trump nur gähnende Leere hinter immer neuen, nicht durchdachten Provokationen zu finden.

Trump ist nicht dumm. Er hat begriffen, dass er sagen kann, was er will – es finden sich immer potenzielle Wählerinnen und Wähler, die ihn schon alleine deswegen bejubeln, weil er sich traut, den Unsinn auszusprechen. So weiß zum Beispiel jeder, dass die von Trump angekündigte Abschiebung von elf Millionen illegalen Einwanderern aus den USA, nicht umsetzbar ist – außer die USA würden sich unter seiner Präsidentschaft zu einem Land wie Nordkorea verwandeln. Dennoch klatschen die Staatsbürger der Verängstigten Staaten von Amerika Beifall, offenbar weil sie – ähnlich wie die Anhänger der AfD in Deutschland – in der Sündenbock-Theorie Trost finden.

So weiß auch jeder, dass nukleare Aufrüstung nur Probleme schafft, aber keine löst. Dennoch sind Trump-Fans begeistert, wenn er ihnen sagt, die USA könnten sich viel Geld sparen, wenn sich nur manche Länder eigene Atomwaffen zulegten. Beim Geld höre schließlich die Freundschaft auf, und allzu genaues Nachdenken über die Frage, ob solche Vorschläge zum Schuldenabbau in den USA taugen, stört sowieso nur. Und das sind nur zwei, wahllos gegriffene Beispiele.

Die Konzeptionslosigkeit Donald Trumps, der gewissermaßen behauptet, er könne die Globalisierung stoppen, wird noch einem großen Problem für Hillary Clinton im Wahlkampf werden. Argumente und gutes Zureden scheinen an den Anhängern Trumps abzuprallen wie Flummis, die an eine Wand geworfen werden.

Der Papierlage nach wird Clinton die Wahl gewinnen, und am Ende dürfte man dann sagen, dass es gut ist. Wer sich zwischen zwei unbeliebten Kandidaten zu entscheiden hat, sollte den etwas weniger furchterregenden Bewerber auswählen. Denn einen Präsidenten Donald Trump hätten die USA und ihre Menschen nicht verdient – der Rest der Welt, der keinen Einfluss auf die Wahl in Amerika hat, aber unter den Folgen leiden müsste, sowieso nicht.

Doch die Papierlage ist ein brüchiges Fundament, auf das sich in diesem Wahlkampf niemand wirklich verlassen sollte. Vor einem Jahr hätte auch niemand, der bei Verstand ist, geglaubt, dass Trump einmal der Kandidat der Republikaner sein würde. Insofern bleibt einstweilen nur die Hoffnung, dass sich die Mehrheit der amerikanischen Wählerinnen und Wähler Anfang November richtig entscheidet.