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Kann Gott nun noch Ted Cruz helfen? / Photo by Dawn Huczek – Flickr

 

Um eine Verzweiflungstat zu charakterisieren, kennt die amerikanische Sprache eine hübsche Formulierung: Hail Mary.

Eigentlich heißt auf das Deutsch „Ave Maria“ oder „Gegrüßet seist Du, Maria“ und beschreibt mithin so etwas wie ein Stoßgebet. Im Soldaten-Katechismus des Dichters Clemens von Brentano heißt es: „Ein Stoßgebet in Not erhöht des Mannes Mut und stillt das Blut.“ Und zwar, wenn es auf das Ende zugeht. Im Amerikanischen bezeichnet ein „Hail Mary pass“ beim Football einen Wurf aus sehr großer Entfernung mit geringer Aussicht auf Erfolg. Er wird meist gegen Ende versucht. Der Name geht auf das Team der Notre Dame University zurück, das früher tatsächlich vor jedem Touchdown gebetet haben sollen.

Angesichts der schönen Metapher ist es kein Wunder, dass mehrere Medien Ted Cruz‘ neueste Aktion als Hail Mary charakterisierten. Oder als „Hail Carly“ (Politico), denn um Carly Fiorina geht es. Sie hat Cruz nun zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin gekürt. Und damit die vollkommene Verzweiflung seiner Wahlkampagne offenbart. Mit seinem kleinen Coup will Cruz nämlich lediglich davon ablenken, dass er gerade erst in fünf Vorwahlen vernichtende Niederlagen erlitten hat; in vieren von ihnen wurde er sogar von dem Außenseiter John Kasich geschlagen. Rein rechnerisch hat er keine Chance mehr, eine Mehrheit der Delegiertenstimmen beim Parteikonvent zu erlangen, also zum Präsidentschaftskandidaten gewählt zu werden. Mal abgesehen davon, dass ausgerechnet die früh in den Vorwahlen gescheiterte Fiorina seine Basis auch nicht verbreitern dürfte bei den Republikanern.

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Ronald Reagan wollte ihm die Präsidentschaftskandidatur 1976 streitig machen: Amtsinhaber Gerald Ford. Doch Reagan scheiterte wie nun Cruz mit seinen Tricks. / TIME Cover August 1976

 

Ganz ohne Vorbild ist Cruz‘ Verzweiflungstat nicht. Schon der Gottvater der heutigen Republikaner, Ronald Reagan, hat es mal mit einem ähnlichen Coup versucht. 1976 hatte er bei den Vorwahlen Präsident Gerald Ford herausgefordert und nach hartem Kampf verloren – allerdings nur um gut 40 Delegiertenstimmen. Daher ging er in das Konvent in der Hoffnung mit ein paar Tricks und einem Vize-Kandidaten, Ford die Kandidatur streitig zu machen. Deshalb nominierte er den weithin unbekannten, aber im politischen Washington respektierten Senator Richard Schweiker zu seinem „running mate“. Das hatte vor Reagan so noch keiner gemacht. Üblicherweise stellen nur die Sieger der Vorwahlen einen Vize vor, damit das Konvent dann beide bejubeln und ins Rennen ums Weiße Haus schicken kann.

Der Trick kam bei den Republikanern nicht gut an und Ford erhielt letztlich über 100 Stimmen mehr als Reagan. Auch die Konservativen mögen solche Spielereien letztlich nicht, selbst wenn sie dem Kandidaten nicht allzu viel zutrauen. Das wird nun Cruz genauso erleben wie sein großes Vorbild Reagan. Wobei man dazu sagen muss, dass der texanische Senator ohnehin weit mehr zu schmierigen Tricks neigt als seine Konkurrenten und Vorgänger. Wahrscheinlich auch deshalb wird seine politische Karriere bald schon enden. Wir werden ihn dann sicher auf FoxNews wiedersehen. Der erzkonservative Sender hält immer ein paar Sendeplätze warm für abgehalfterte Republikaner. Hail Mary, Senator Cruz.

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