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Könnte Wisconsin der Anfang vom Ende von Donald Trumps Siegesserie sein? Und hat Bernie Sanders nach seinem sechsten Erfolg bei Vorwahlen hintereinander doch noch die Chance Hillary Clinton zu schlagen? Eine Analyse

 

Um mit der einfachen Antwort zu beginnen: Hillary Clinton ist nicht mehr aufzuhalten. Sie wird die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten werden. Doch sie wird sich noch Wochen und Monate mit Sanders auseinandersetzen müssen. Der Senator aus Vermont kann zwar nicht mehr siegen, aber viel gewinnen. Vor allem Einfluss auf die Botschaft, mit der Clinton in den Wahlkampf gegen die Republikaner im Herbst ziehen wird. Je länger er – und das ja sichtlich erfolgreich – seine Kritik an der sozial ungerechten Politik der vergangenen Jahrzehnte vortragen kann und damit zu Recht die gesellschaftliche Spaltung anspricht, die im wesentlichen auf die ökonomische Bevorzugung der Reichen zurückgeht, desto mehr zwingt er Clinton nach links. Schließlich will sie am Ende auch die hoch motivierten Wähler von Sanders im Hauptwahlkampf von sich überzeugen. Der Senator wird ihr dabei gern helfen – wenn sie zumindest Teile seines Programms übernimmt.

Komplizierter ist die Lage bei den Republikanern. Die Kandidaten sind einander nicht nur spinnefeind, sie tragen einen Machtkampf um die Zukunft der Partei aus. Dabei ist es jetzt schon zu so gravierenden Verwerfungen gekommen, dass die Einheit der Partei gefährdet ist. Wenn es nach dem Establishment ginge, müsste ein Kandidat wie John Kasich im Herbst gegen Clinton antreten. Er ist der einzige verbliebene Bewerber, der trotz sehr konservativer Grundüberzeugungen wenigstens einen Teil der moderaten, nicht parteigebundenen Wähler gewinnen könnte, ohne die niemand eine Chance hat, das Weiße Haus zu erobern. Doch Kasich liegt weit hinter Donald Trump und Ted Cruz zurück. Und daran wird sich bis zum Konvent nichts ändern.

Daher haben sich etliche Republikaner nun schon mit dem Gedanken angefreundet, darauf zu setzen, dass Ted Cruz nun Donald Trump stoppen muss. Cruz ist immerhin ein Senator und hat seine Loyalität gegenüber der Partei nie in Frage gestellt. Allerdings ist er geradezu verhasst bei vielen Republikanern. Denn Cruz macht letztlich nur Politik für Cruz, die Partei ist auch ihm herzlich egal. Im Senat ist er völlig isoliert, bis vor kurzem hat ihn kein einziger seiner Kollegen dort unterstützt. Zudem ist der derart reaktionär, dass laut letzten Umfragen selbst ein Drittel der republikanischen Wähler nicht bereit wäre, ihn zu unterstützen.

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Diese Unbeliebtheit teilt er mit Donald Trump. Insofern haben die Republikaner nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, also zwischen zwei Kandidaten, deren Wahlkampagnen beide auf ihre Weise der Partei den Garaus machen könnten. Insofern ist die Lage auch dramatischer als 1964. Damals setzte sich zwar der reaktionäre Kandidat Barry Goldwater durch, doch die Republikaner als solche blieben intakt. Dieses Mal stehen sich in der Partei und ihrer Anhängerschaft verfeindete Gruppen unversöhnlich gegenüber.

Schon jetzt zeichnet sich daher ab, dass sich beim Konvent die Anhänger der Kandidaten heftige rhetorische Scharmützel liefern werden. Handgreiflichkeiten nicht ausgeschlossen. Denn klar scheint derzeit: Keiner der Kandidaten wird die erforderliche Mehrheit der Delegierten erlangen, um sich zum Präsidentschaftskandidaten küren zu lassen. Was dann passieren wird, weiß noch nicht einmal die Parteiführung. Sie spielt verschiedene Modelle durch – vor allem solche, bei denen Trump nicht Kandidat wird. Doch was wäre dann? Könnte sie wirklich dem Bewerber mit den meisten Stimmen die Kandidatur verweigern? Theoretisch ja. Aber realistisch ist das nicht. Zu groß ist die Furcht davor, dass Trump dann als unabhängiger Kandidat antritt.

Cruz Erfolg über Trump in Wisconsin ändert mithin nichts an der Lage bei den Republikanern. Er erhöht nur die Chancen für ein chaotisches Parteikonvent, denn mit einem Sieg hätte Trump noch die Chance auf einen Mehrheit der Delegierten gehabt. Diese Chance ist nun nur noch minimal. Er müsste im Schnitt 57 Prozent der Delegierten bei jeder noch anstehenden Vorwahl gewinnen, bislang erreichte er aber nur durchschnittlich 48 Prozent.

Was auch immer bei den nächsten Vorwahlen passiert, die Republikaner haben allen Grund dazu, sich große Sorgen zu machen. Die Spaltung der Partei, wenn sie nicht ohnehin auseinanderfällt, wird sich weiter vertiefen. Mit Trump als Kandidat – und ohne. Schließlich wird der Milliardär und Selbstdarsteller nicht verschwinden, selbst wenn ihn die Partei ausbootet. Er wird öffentlich präsent bleiben und den Republikanern die Meinung sagen, ob sie die hören wollen oder nicht. Ach, das sind doch alles tolle Perspektiven.