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Donald Trumps außenpolitische Ideen sind bizarr. Ein Kommentar.

Es ist noch nicht lange her, dass  die Auseinandersetzung mit einer möglichen außenpolitischen Ideenwelt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump  als völlig absurde Beschäftigung erschien. Doch seit der Immobilienmilliardär aus New York bei den Vorwahlen von Sieg zu Sieg eilt, scheint es nicht länger abwegig, sich ihn auch als künftigen Akteur mit weltpolitischer Macht vorzustellen. Donald Trump und wie er die Welt sieht, könnte schon bald zu einem Pflichtprogramm werden.

Bislang basierten seine außenpolitischen Äußerungen  vor allem darauf, unberechenbar zu sein. Trump erklärt, er könne sich den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die Terroristen des  „Islamischen Staates“ vorstellen. Dann wieder sagt er, er habe es nur als Drohung verstanden wissen wollen. Das ist gefährlicher Unfug, mit dem alle Bemühungen vom Tisch gewischt werden, die Welt frei von Atomwaffen zu machen. Mit Nuklearwaffen jedenfalls wird der IS nicht zu besiegen sein.

Trump mag, wie viele seiner Anhänger, glauben, dass Veranstaltungen wie Obamas Atomgipfel in Washington, dessen Teilnehmer verhindern wollen, dass Terroristen in den Besitz von Nuklearmaterial kommen, nur ein Ausweis von grenzenloser Naivität sei.  Anders jedenfalls lassen sich die Gedankenspiele des Bauunternehmers nicht qualifizieren. Er fabuliert davon, Japan und Südkorea sollten sich eigene Atombomben zulegen, um der Bedrohung aus Nordkorea zu begegnen. Ach ja, auch Saudi-Arabien müsse vielleicht (oder auch nicht) über einen solchen Schritt nachdenken, weil der Iran schließlich trotz internationalen Abkommens nicht von seinen Plänen ablasse, an der Bombe zu basteln. Nach dieser Logik müsste sich jeder Staat, der mit einem anderen Land um regionale Hegemonie konkurriert, Nuklearwaffen zulegen. Das erhöhte nicht nur die Gefahr von Atomkriegen, das erhöhte vor allem die Chancen für Terroristen, sich schmutzige Bomben zu beschaffen. Katastrophal, so nennt Obamas Weißes Haus diese Idee. Trump habe offenbar keine Ahnung von Außenpolitik, sagt Obama selbst. Und das sind noch diplomatisch aufgehübschte Untertreibungen.

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I love nukes – Photo by vaXzine / Flickr

Außenpolitik scheint für Trump ein Handelsgeschäft zu sein wie der Bau von Golfplätzen oder Wolkenkratzern. Er reduziert internationale Zusammenarbeit auf die Frage von Geld. Mit Letzterem kennt er sich aus, wie er nicht müde wird zu versichern. Wer eine Dienstleistung von den USA erwartet, soll dafür bezahlen. Amerika jedenfalls werde sich nicht länger abzocken lassen. Das mag vielleicht das Geheimnis hinter Trumps Erfolg im Geschäftsleben sein, Geopolitik funktioniert so allerdings nicht.

Wladimir Putin dürfte sich gefreut haben, als er hörte, dass Trump der Auffassung ist, die Nato sei obsolet. Schließlich wünscht sich der russische Präsident seit dem Ende des Kalten Kriegs vor mehr als einem Vierteljahrhundert nichts mehr als die Auflösung des westlichen Verteidigungsbündnisses. Vielleicht war die Freude im Kreml aber auch zu früh, denn Trump sagte schließlich auch, er wolle die USA nicht aus der Nato herausziehen. Er wolle nur, dass die USA weniger für den Betrieb der Allianz bezahlen sollten.

Harte politische Fakten sind ohne nicht die Stärke Trumps. Er sagt die Unwahrheit, wenn er behauptet, Deutschland habe sich in der Ukraine-Krise zurückgehalten und die Arbeit den Amerikanern überlassen. Man kann beklagen, dass das deutsche Engagement der Bundesregierung nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Aber man kann nicht behaupten, Deutschland sei untätig gewesen.

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Mal so, mal so, oder so: Dieses meandernde Kommunikationsmuster beherrscht Trump wie kein zweiter Bewerber um die Nachfolge der Präsidentschaft von Barack Obama. Ist er nun ein Isolationist? Weiß er es nicht besser?  Ist es die pure Lust an der Provokation, die solchen Unsinn gebiert? Ist es intellektuelles  Unvermögen, die Komplexität internationaler Beziehungen zu erfassen? Ist es Faulheit, sich über das Stammtischniveau zu erheben und vor dem Reden erst nachzudenken? Immer mehr erhärtet sich im Falle von Donald Trump der Verdacht, dass es sich dabei um eine Mischung aus allem handelt.

Donald Trump ist nicht zu fassen. Das macht seine Einlassungen aber nicht weniger beunruhigend. Was er bislang von sich gegeben hat, lässt nur einen Schluss zu: Die außenpolitische Ignoranz des Mannes ist höher als das Hochhaus, das er in Manhattan bewohnt.

Und hier noch ein Video, das ganz gut erklärt, wie Trumps Rhetorik funktionert. Also, wie er Grunde keine Argumente hat, aber doch überzeugend auf Wähler wirkt: