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Photo by Michael Leland / Flickr

Eine der ersten drei Vorwahlen der Republikanischen Partei, die es überhaupt gab, fand im Jahr 1912 in Wisconsin statt. Ihr Ergebnis war seinerzeit nicht bindend, zumal lediglich in 13 von damals 48 Bundesstaaten Vorwahlen durchgeführt wurden. Doch sie waren ein historisch bedeutsames Ereignis, das den Nominierungsprozess bis heute prägt. Und so ist Wisconsin auch nächste Woche wieder wichtig, wenn die Republikaner verzweifelt auf ein Ende des Siegeszuges von Donald Trump hoffen.

 

Schon 1912 war für die Republikaner ein ähnlich dramatisches Jahr, weil zum ersten Mal Anhänger der Partei zu Vorwahlen aufgerufen waren und gleich einmal nicht so abstimmten, wie es sich die Parteiführung vorstellte. Gegen den amtierenden Präsidenten William Howard Taft traten sein Vorgänger Theodore Roosevelt und Senator Robert M. La Follette an, der zudem eben der ehemalige Gouverneur von Wisconsin war. Roosevelt war in den Vorwahlen generell der populärste Kandidat; er siegte in neun Vorwahlen, aber in Wisconsin musste er La Follette den Vortritt, der auch in North Dakota siegte. Taft hingegen gelang nur in New York ein deutlicher Sieg und in Massachusetts ein knapper vor Roosevelt. Kein überzeugendes Ergebnis für den Amtsinhaber. Doch auf dem Konvent der Republikaner wählten die Delegierten nach allerlei Händeln im Hintergrund Taft erneut zum Kandidaten.

By Leonard Raven-Hill - Punch Magazine, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5310296

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Das Ergebnis des Konvents ließ einen Streit in der Partei eskalieren, der bereits eine ganze Weile tobte. Vielen progressiven Parteimitgliedern war Taft zu wirtschaftsfreundlich und zu konservativ. Der Konflikt wurde offenkundig, als Roosevelt 1910 in New York State gegen Tafts Vizepräsidenten James S. Sherman antrat, um Vorsitzender des dortigen Parteikonvents zu werden – und unterlag. Der parteiinterne Streit führte nebenbei dazu, dass die Republikaner bei den Midterm-Wahlen eine bittere Niederlage erlitten. Sie verloren zwölf Sitze im Senat und 56 Abgeordnete im Repräsentantenhaus, mithin die Mehrheit. 1912 ging es dann sogar noch weiter bergab.

Der Kampf zwischen den Progressiven und den Konservativen endete damit, dass sich die Partei spaltete. Der linke Flügel gründete unter der Führung Roosevelt die Progressive Partei. Für sie trat er 1912 als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen an. Zur Freude der Demokraten. Überraschend setzte sich so ihr Kandidat Woodrow Wilson durch, vor Roosevelt und dem Republikaner Taft. Ein desaströses Ergebnis für Taft und die verbliebenen Konservativen in der Partei. Schlimmer noch war jedoch, die Spaltung der Partei.

Vor 1912 war es noch offen gewesen, ob sich die Reformkräfte im Land den Demokraten oder den Republikanern anschließen werden. Also jene, die das Frauenwahlrecht forderten, weniger Kinderarbeit, eine Unfallversicherung oder den Achtstundentag. All das verlangte die Progressive Partei bis zu ihrem Scheitern 1916. Die damals noch keineswegs so konservativen Republikaner verloren so die Balance – und die Demokraten setzten fortan die wichtigsten Reformvorhaben auf nationaler Ebene um. Vor allem Theodore Roosevelts Neffe, der demokratische Präsident Franklin D. Roosevelt, prägte mit seinem New Deal das Land auf Jahrzehnte.

Franklin D. Roosevelt - Photo by Bonneville Power / Flicker

Franklin D. Roosevelt – Photo by Bonneville Power / Flicker

Es ist also durchaus von großer Bedeutung, ob sich Donald Trump in Wisconsin durchsetzt. Ohne dessen Delegiertenstimmen wird er kaum die Mehrheit auf dem Konvent im Sommer erlangen. Und was dann passieren könnte, haben die Republikaner 1912 schon einmal erlebt: Streit, Chaos, verlorene Wahlen – und womöglich ein Schaden für die Partei, von dem sie sich lange nicht erholen wird. Die Parteistrategen wissen um dieses Risiko und werden versuchen, den großen Konflikt bei Konvent zu verhindern. Doch angesichts der Dynamik in diesem Wahlkampf wirken sie so hilflos wie damals. Und darüber darf sich vor allem eine freuen: Hillary Clinton.