Donald Trump Backyard Photo Sign at Night - West Des Moines, Iow

Donald J. Trump illuminated with flood lights in a suburban backyard near Jordan Creek Parkway and Cody Drive in West Des Moines, Iowa. Photo by Tony Webster/Flickr

Eines haben die Republikaner bei früheren Wahlen noch stets geschafft: einen respektablen Kandidaten für die Präsidentschaft zu nominieren, hinter den sich, wenn auch mit Murren, die ganze Partei stellt. So war es mit John McCain 2008 und selbst mit Mitt Romney 2012. Beide galten vielen Republikanern als nicht konservativ genug, als zu pragmatisch und zu sehr mit dem Politik-Establishment verbandelt – doch fast alle republikanischen Politiker und Wähler zogen sie eindeutig dem Demokraten Barack Obama vor…

Ähnlich geschlossen waren die Republikaner auch in all den anderen Wahlen der vergangenen 50 Jahre, und das sogar mit mehr Erfolg, als sie George W. Bush, seinen Vater George H.W. Bush, Ronald Reagan oder Richard Nixon ins Rennen um das Weiße Haus schickten. Die Trennlinie zwischen dem liberalen und konservativen Lager war zwar nicht immer so scharf gezogen, wie es heute der Fall ist, doch sie wurde von beiden Seiten nur selten überschritten.

Barack Obama wollte vor acht Jahren die politische Spaltung überwinden, die sich kontinuierlich verschärfte, weil er zu Recht erkannte, dass sie für die Gesellschaft schädlich ist. Mit seinem Versöhnungsprojekt jedoch ist Obama als Präsident gescheitert, weil sich die Republikaner während seiner Amtszeit so radikalisiert haben, dass sie letztlich fast jede politische Zusammenarbeit verweigerten. Gleichzeitig hat die Partei sich programmatisch de facto aufgelöst. Sie forderte nur noch ohne Unterlass: Steuern runter, Militärausgaben rauf, Gesundheitsreform abschaffen und die Rolle des Staates beschränken. Am Ende dieses Prozesses steht nun allerdings ein Ergebnis, mit dem selbst die Republikaner nicht gerechnet haben: Donald Trump.

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Der Multimilliardär, Reality-TV-Star und Großschwätzer hat am Super-Tuesday die etablierten Kandidaten in der Mehrheit der Staaten geschlagen und die Partei-Eliten gedemütigt. Dabei hat er nicht mehr zu bieten, als ein paar Slogans, die zwischen Fremdenfeindlichkeit und Exzeptionalismus changieren. Im Grunde aber siegt mit Trump der Anti-Intellektualismus, der in den USA, zumal bei den Republikanern, eine gewisse Tradition hat. Schon Dwight D. Eisenhower operierte im Wahlkampf 1952 damit, als er den demokratischen Gegenkandidaten Adlai Stevenson – einen belesenen und nachdenklichen Pragmatiker – als entscheidungsschwachen Streber karikierte. Er würde in entscheidenden Momenten sicher erst einmal mit seinen Professorenfreunden debattieren, statt zupackend zu handeln. Ein Vorwurf übrigens, der auch gern gegen den ehemaligen Universitätsdozenten und Intellektuellen Obama erhoben wird.

Interessanterweise haben sich ausgerechnet die Neo-Konservativen den Anti-Intellektualismus schon seit den Sechziger Jahren als Instrument zu Nutze gemacht. Sie, die selbst oft Absolventen von Elite-Universitäten waren, kritisierten immer wieder, dass liberale Intellektuelle von den edlen Ivy-League-Hochschulen in der Politik und den Medien den Diskurs dominierten. Gleichzeitig glaubten die Neo-Konservativen an die Macht politischer Ideen. Um sie zu verbreiten, gründeten sie Zeitschriften, Denkfabriken und Netzwerke, die besonders während der Präsidentschaften von Reagan und den Bushs großen Einfluss auf die Politik hatten. Neo-Konservative waren wesentlich beteiligt an vielen Fehlentscheidungen von George W. Bush, so etwa den Steuersenkungen für Reiche und vor allem dem Einmarsch in den Irak.

William-F-Buckley

Das programmatisches Scheitern der Neo-Konservativen reduzierte ihren Einfluss auf die Republikaner erheblich. Übrig blieb mehr oder weniger nur die Verachtung des Politikbetriebes und seiner intellektuellen Protagonisten. Mit erheblichen Konsequenzen: 2008 glaubte der Präsidentschaftskandidat McCain, er habe nur eine Siegchance, wenn er Sarah Palin an seine Seite holt. Sie ist die authentischste anti-intellektuelle Bannerträgerin, die so unreflektiert Steuersenkungen für Reiche und einen außenpolitischen Isolationismus fordert, wie sie die Gesundheitsreform Obamas, die Homo-Ehe oder ein schärferes Waffenrecht ablehnt. Das qualifiziert sie zur Bannerträgerin der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, die in den Republikanern mittlerweile zumindest in Teilen verankert ist.

Das ist Trump mit seiner neuen populistischen Bewegung weit weniger. Sie ist in wenigen Monaten als radikaler Konkurrent neben der Tea Party groß geworden und hat ihr sogar etliche Anhänger abspenstig gemacht. Trump verzichtet weitgehend auf klare programmatische Aussagen und verschärft die anti-intellektuelle Rhetorik, ja er predigt eine Anti-Politik. Ihm und seinen Anhängern geht es weniger um konkrete Versprechen als um die Verdrängung der politischen Klasse. Mit solch einer Taktik wäre noch vor vier Jahren kein Kandidat weit gekommen. Jetzt hingegen scheint die Zeit, reif für Trump zu sein. Die Frage für die Republikaner ist nun: Werden sie auch dieses Mal wieder fast unisono ihren Präsidentschaftskandidaten unterstützen? Oder wird die Partei an genau dieser Entscheidung zerbrechen? Seit heute spricht fast alles dafür.