Trump im Wahlkampf

In den USA treten die Vorwahlen in die entscheidende Phase ein. Bei den Republikanern herrscht große Nervosität. Denn mehr und mehr zeichnet sich ab, dass der Multimilliardär und Rechtspopulist Donald Trump tatsächlich zum Präsidentschaftskandidaten der Partei werden könnte.

 

Von den anfangs 16 Konkurrenten Trumps haben sich mittlerweile elf aus dem Rennen verabschiedet. Zuletzt Jeb Bush, der noch im vergangenen Sommer als Favorit galt. Doch seine Wahlkampagne fand nie ein überzeugendes Konzept für den Kandidaten. Weder wurde deutlich, warum er denn unbedingt Präsident werden wollte, noch konnte er  den Populisten wie Trump oder den konservativen Dogmatikern wie Marco Rubio oder Ted Cruz rhetorisch viel entgegensetzen. In der Washington Post geben sie diesem Scheitern die Überschrift „Der Fall des Hauses Bush“. Es sei eine „Geschichte über den Kampf eines der erfolgreichsten Gouverneure in Amerika, um wie sein Vater und sein Bruder Präsident zu werden, die sich vor dem Hintergrund eines der seltsamsten politischen Zeitläufte der vergangenen Jahre abspielte.“

Jeb Bush und sein Team haben drei Dinge vor allem unterschätzt: die Bush-Müdigkeit im Land, die Bedeutung neuer Kommunikationskanäle – stattdessen setzten sie auf traditionelle TV-Spots – und die geringe Anerkennung für seine politischen Verdienste. Da half es nicht einmal, dass Bush Kampagne schon zu Beginn 120 Millionen Dollar an Spenden einsammelte. So viel wie kein Präsidentschaftsbewerber zuvor. Nach Jebs Abgang interessiert Medien und Öffentlichkeit in den USA eigentlich nur noch eine Frage: Schafft es Trump oder gelingt es seinen Konkurrenten noch, ihn abzufangen? Die Möglichkeit dazu haben nur noch zwei: Ted Cruz und Marco Rubio. Beide  haben als Senatoren kaum etwas geleistet und stehen für ein reaktionäres Programm. Sie unterscheiden sich lediglich rhetorisch. Während Rubio noch versucht, moderat zu klingen, gibt sich Cruz als Hasser des Establishments.

Verglichen mit ihnen ist Trump ein wendiger Populist, der zwar rassistische Phrasen drischt, aber bislang nicht dadurch aufgefallen ist, besonders dogmatisch zu sein. Statt das republikanische Credo vom schmalen Staat zu predigen, hält er Obamas Gesundheitsreform in Teilen für richtig und sogar eine allgemeine Krankenversicherung nach europäischen Vorbild für denkbar, weil sie billiger ist. Er will die Steuern für Reiche erhöhen, die Sozialsysteme und die Infrastruktur des Landes bewahren sowie den Bundesstaaten überlassen, ob sie Cannabis legalisieren. Abgesehen davon, ist er so erzkonservativ  wie die anderen Bewerber.

Ob sich Trump mit seinen teils vagen, teils populistischen, teils gar nicht so extrem konservativen Vorstellungen durchsetzen kann, ist bei den Experten heftig umstritten. Selbst der Statistik-Guru Nate Silver verweist in seinem Blog FiveThirtyEight derzeit letztlich auf die Wettmärkte: Dort gilt Trumps Sieg zu 50 Prozent als sicher, 40 Prozent setzen auf Rubio. (http://fivethirtyeight.com/features/trump-optimists-and-trump-skeptics-are-about-to-go-to-war/)