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Marco Rubio gilt als smart, gewandt und attraktiv, mithin als Kandidat, den nicht nur erzkonservative Republikaner wählen könnten. Er wäre der Kandidat des Establishments, der die besten Aussichten hat, Hillary Clinton zu schlagen, dachten bis vor kurzem viele. Doch bei der letzten Debatte hat Chris Christie seine größte Schwäche offenbart.

 

Rubio scheut sich, frei und spontan zu sagen, was er denkt. Und bestätigt damit Zweifel, ob er das überhaupt kann. „He is not the sharpest pencil in the box“, denken etliche seiner Kritiker, weil er mal um mal eingeübte Formulierungen wiederholt, statt auf neue Fragen oder Kritik einzugehen. In der letzten TV-Debatte vor den Vorwahlen in New Hampshire hörte sich das dann so an:

Dieser Auftritt passt Kritik, die in den vergangenen Monaten, ja Jahren immer wieder laut geworden ist – wenn auch eher am Rande. So schrieb Jonathan Chait schon im Jahr 2011 in einer wundervoll ironischen Softies für die New Republic (https://newrepublic.com/article/86030/marco-rubio-secretly-robot):

„Haben Sie das Gefühl, dass ,Marco Rubio‘ gar kein Mensch ist, sondern eigentlich ein Computerprogramm, das von der Republikanischen Partei geschrieben worden ist? Stellen Sie sich vor, sie könnten tatsächlich so einen Kandidaten schaffen. Würden Sie mit ihm kommen? Einem kinotauglichen hübschen Latino aus Florida, der die Parolen der Tea Party in Stein haut, während er patriotische Klischees bedient, als sei er wie ein Computer programmiert? Ich behaupte nicht, dass er ein Roboter ist, aber ich hätte doch gern, dass er durch einen Metalldetektor geht.“

Ross Douthat twitterte etwa nach der TV-Debatte:

Bildschirmfoto 2016-02-09 um 20.05.16

Ob die Kollegen von der Conway Daily Sun, einer Zeitung aus Conway in New Hampshire, diesen kleinen Beitrag aus der New Republic kannten, ist nicht bekannt. Doch ihre Eindrücke decken sich mit denen von Jonathan Chaot. Erik Eisele berichtet von einem Besuch des Kandidaten Rubio kurz vor Weihnachten (http://www.conwaydailysun.com/opinion/columns/123862-erik-eisele-all-presidential-politics-is-local):

„Wir hatten ungefähr 20 Minuten mit ihm am Montag, und in dieser Zeit sprach er über ISIS, die Wirtschaft, seine politischen Leistungen und seinen persönlichen Hintergrund. Aber es war, als ob man einem Computer-Algorythmus zuschaut, der bestimmte Stichworte abarbeitet. Er sagte viel, aber gleichzeitig nichts. Es war, als ob ihn jemand aufgezogen, durch die Tür geschoben und auf Start gedrückt hätte. Wenn es eine menschliche Seite beim Senator geben sollte, eine Seele, so trat sie nicht zutage.“

Anders als Maddow hält Eisele Senator Rubio sogar für intelligent, doch für so ängstlich, dass er selbst ohne Fernsehkameras vor der Nase kein bisschen von seinen Stichworten abweicht. Man müsste eigentlich ergänzen: Anders als Barack Obama traut er offenbar weder seiner Botschaft noch ist er sich seiner Argumente sicher. Diese Unsicherheit und die daraus resultierenden Zweifel an seiner Intelligenz könnten ihn tatsächlich die Präsidentschaftskandidatur kosten. Denn im Zweifel wird der Kandidat ohne Selbstzweifel gewählt. Und dann wäre auch dies – über Rubio und Christie (Danke Larry Wilmore!):