Am Montag findet nun endlich die erste Vorwahl statt. Genauer gesagt: der Iowa Caucus, also Wahlveranstaltungen, bei denen sich die Bürger je eines Bezirkes treffen, diskutieren und am Ende abstimmen. Aufregend!

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Bei beiden Parteien ist immer noch alles drin. Hillary Clinton liegt bei den Demokraten zwar vorn, aber ihr Vorsprung ist laut der letzten Umfrage des Des Moines Registers, Iowas wichtigster Zeitung, knapp. Ganze drei Prozent. Dennoch geht vor allem einer von einem sicheren Sieg Clintons aus: Nate Silver, der US-Statistik-Guru, der bei den Wahlen 2012 alle Ergebnisse der Kongress-Wahlen und natürlich den Sieg Barack Obamas richtig prognostizierte. Hillarys Siegchance berechnet er bei 80 Prozent.

Auf der Seite der Republikaner sieht er, wenn auch knapp, Donald Trump als Sieger – mit einer Wahrscheinlichkeit von 48 Prozent, während der zwischenzeitlich führende Ted Cruz nur eine Siegchance von 41 Prozent hat. Das deckt sich im wesentlichen auch mit den letzten Umfragen, aus denen die Webseite Real Clear Politics (RCP) einen Durchschnittswert ermittelt. Am Tag vor dem Caucus ermittelt RCP einen Vorsprung von Trump von 6,2 Prozentpunkten (http://www.realclearpolitics.com/epolls/2016/president/ia/iowa_republican_presidential_caucus-3194.html)

Bemerkenswert ist, dass es Trump anscheinend nicht geschadet hat, die letzte TV-Debatte der Republikaner zu schwänzen. Einen Indikator dafür liefert weniger die Stabilität seiner Umfragewerte – der Zeitraum nach der Debatte reicht nicht für signifikante Veränderungen, denke ich -, als vielmehr Google. Denn während der Debatte auf Fox News waren deren Nutzer eindeutig mehr daran interessiert, etwas über den abwesenden Trump als über die Teilnehmer des Podiums zu erfahren, wie diese Graphik zeigt (Trumps Linie ist die ganz oben):

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Trump hat sich also richtig entschieden mit seiner Absage. Er war beim Publikum allgegenwärtig, obwohl er nicht da gewesen ist. Zudem hatte sein Schwänzen für ihn den Vorteil, dass sich die Mitbewerber auf Ted Cruz eingeschossen haben – was Trump sicher genutzt hat. Zumal er selbst bei früheren Debatten keine besonders gute Figur abgegeben hat. Der Milliardär ist Widerworte einfach nicht gewöhnt und reagiert daher oft harsch. Das schätzt das Publikum nicht so sehr, auch wenn es seinen politisch unkorrekten Sound sonst zu würdigen weiß. In Umfragen nach Debatten hat Trump im besten Fall nicht verloren. Nun hat er offenbar mühelos gewonnen. Warum er viele überzeugt, erklärt Chuck Todd von MSNBC in seinem Beitrag:

http://www.msnbc.com/mtp-daily/watch/trump-s-anti-debate-gamble-pays-off-611828291859

Überhaupt hat er mit seiner Medienstrategie ins Schwarze getroffen. Er schaltet so gut wie keine Werbespots in Fernsehen oder Radio, da er dank seiner unkalkulierbaren Auftritte ohnehin unter Dauerbeobachtung der Medien steht, so dass jede seiner Regungen oder Aussagen quasi in Echtzeit berichtet wird. Hinzukommen Trumps über sechs Millionen Twitter-Follower, die seine Botschaften echoen. Wenn man dann noch all die rechten, rassistischen, nationalistischen Gruppen und Grüppchen einberechnet, die für ihn in Robo-Calls werben – das sind automatisierte Telefonanrufe für einen Kandidaten -, dann verfügt Trump über eine Medienmacht, mit der im Augenblick kein Mitbewerber konkurrieren kann.

Verglichen mit früheren Wahlen müssen auch Skeptiker mittlerweile eingestehen, dass Trump eine sehr gute Chancen hat, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Er führt mittlerweile nicht nur in den nationalen Umfragen, sondern in allen Bundesstaaten (außer Texas, wo noch Cruz vorn liegt). Wenn bisher ein Kandidat zu diesem Zeitpunkt – also kurz vor den Entscheidungen in Iowa und New Hampshire – so gut dastand, dann hat er die Nominierung auch gewonnen. Es gibt historisch kein Gegenbeispiel. (siehe auch Steve Benens Analyse der aktuellen Daten: http://www.msnbc.com/rachel-maddow-show/key-stage-latest-polls-raise-republican-eyebrows). Es wäre mithin eine Sensation, wenn Trump nicht Kandidat wird.

Genau deshalb wanzt sich das Establishment der Partei auch bereits seit Tagen an den Milliardär ran, ja selbst rechte, evangelikale Fundamentalisten wie Mike Huckabee und Rick Santorum – nominell zumindest noch Gegenkandidaten von Trump – treten nun mit ihm auf, wenn er statt im Fernsehen zu debattieren, eine Wahlkampfveranstaltung macht. Nach und nach könnte es also passieren, dass der Außenseiter sogar die Richtlinien der Partei bestimmen wird. Die Folgen dieser „feindlichen Übernahme“ sind bei weitem noch nicht abzusehen. Klar ist nur: Es geht schon jetzt um weit mehr als einen Caucus oder Vorwahlen in New Hampshire.