Photo by Azi Paybarah

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Von Damir Fras

Noch hat es noch keine einzige Abstimmung gegeben, aber der Kampf um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama trägt schon jetzt verrückte Züge. Ein Kommentar.

Nun will auch noch Michael Bloomberg Präsident werden. Besser gesagt: Vielleicht will er, vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls ließ der Milliardär und Ex-Bürgermeister von New York am Wochenende streuen, er überlege ernsthaft, als unabhängiger Kandidat in das Rennen einzusteigen.

Die Vorstellung mag zwar reizvoll sein, dass sich demnächst mit dem erfahrenen Bloomberg und dem pöbelnden Möchtegern-Politiker Donald Trump zwei New Yorker Geldsäcke duellieren könnten. Besonders realistisch ist sie jedoch nicht.

Seit es die demokratische und die republikanische Partei in den USA gibt, hat noch nie ein Unabhängiger die Präsidentschaftswahl gewonnen. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in diesem Jahr nicht anders sein. Bloomberg weiß das, er hat schon in den vergangenen Jahren mehrfach über eine Kandidatur nachgedacht, ist aber nie angetreten.

Deswegen ist sein Vorstoß eher als eine dramatische Mahnung an die Wählerschaft zu verstehen, dass der Spaß mit den Extremisten vorbei ist und die Zeit gekommen, sich den ernsthaften Kandidaten zuzuwenden. Exakt eine Woche vor Beginn der Vorwahlserie in den USA versucht Bloomberg die Nachdenklichen unter den amerikanischen Wählerinnen und Wählern zu erreichen.

Er hätte auch sagen können: Donald Trump auf republikanischer Seite ist ein irrlichternder Möchtegern-Politiker, der das Zeug zum erfolgreichen Bauunternehmer, aber nicht zu einem Präsidenten hat. Und Bloomberg hätte damit Recht gehabt. Denn Trump bedient schamlos die Ängste der Amerikaner vor Überfremdung.

Er hätte auch sagen können: Bernie Sanders auf demokratischer Seite ist ein netter Kerl. Und Bloomberg hätte Recht damit gehabt. Nur hat Sanders politische Ideen, die zwar gut klingen, doch in der gespaltenen politischen Landschaft der USA keine, aber auch gar keine Chance haben, jemals verwirklicht zu werden. Bevor in Amerika das College kostenlos wird, muss erst der Mississippi in die andere Richtung fließen.

Bloomberg, der die politische Mitte in den USA verkörpert wie kaum ein zweiter, leistet fürs Erste indirekte Wahlhilfe für Hillary Clinton auf der demokratischen Seite und für die etwas moderateren Bewerber wie Marco Rubio und Jeb Bush im republikanischen Lager. Mehr ist es nicht. Noch nicht. Doch so verrückt wie dieser Wahlkampf ist, kann da noch was kommen.