Die letzte Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber vor den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hatte einen unerwartet deutlichen Sieger: Bernie Sanders. Der Senator aus Vermont und selbst erklärte Sozialist hat gezeigt, dass Hillary Clinton sich im Rennen um die Kandidatur der Demokraten noch anstrengen muss. (So wie Obama und Biden)

 

 

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Vor allem in der ersten Stunde der Debatte griff Sanders seine Konkurrentin immer wieder überraschend scharf an. Während Clinton vor allem die Errungenschaften von Präsident Barack Obama verteidigte und künftig bewahren möchte, sei es die Gesundheitsreform, die Reform der Finanzmärkte oder die Außenpolitik – etwa den Atomdeal mit dem Iran -, präsentierte sich Sanders als der Kandidat, der noch weit mehr will. Etwa ein Gesundheitssystem für alle Amerikaner, da trotz Obamas Reform immer noch 29 Millionen US-Bürger nicht krankenversichert sind, oder eine noch strengere Regulierung der Finanzmärkte, denn bisher hätten einige Banken zwar ein paar Milliarden an Strafen für ihre betrügerischen Spekulationen zahlen müssen, aber kein einziger der verantwortlichen Bosse sei im Gefängnis gelandet.

Nie leise: Bernie Sanders

Nie leise: Bernie Sanders

Während Clinton sich also als die Pragmatikerin und Machtpolitikerin des Machbaren gab, stellte Sanders ihr ein eher europäisch anmutendes linkes Programm entgegen. dementsprechend setzt er auch gar nicht erst auf parteiübergreifende Initiativen. Schließlich ist Obama mit diesem im Rückblick naiv anmutenden Ansinnen brutal gescheitert. Nein, Sanders glaubt, dass sich nichts ändern werde, wenn es nicht eine „politische Revolution“ in Washington gebe. Damit hat er zwar sicher recht, realistisch ist diese Utopie aber nicht. Die fast schon totale Konfrontation der politischen Opponenten in Washington spiegelt ja nur die Spaltung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Doch sein linker Radikalismus kommt an. Nicht nur die republikanischen Wähler sind unzufrieden mit der Politik ihrer Partei, auch viele Demokraten sind frustriert und unterstützen daher den Kandidaten des Protests. Was Trump den einen, ist Sanders den anderen – wobei zu Ehrenrettung des Senators betont werden muss, dass er ein respektables politisches Programm hat. Trump hingegen kennt nur rowdyhafte Polemik. Im Ergebnis führt er die Umfragen der Republikaner an. Und Sanders hat gute Chancen die ersten beiden Vorwahlen zu gewinnen. Für Hillary Clinton wäre das ein fataler Fehlstart. Was danach kommen könnte, hat sie 2008 schon einmal erlebt.