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Vom ersten Augenblick dieser ersten Fernsehdebatte war eines klar: Hier kämpfen neun traditionelle Politiker um die Präsidentschaftskandidatur der republikanischen Partei gegen einen Außenseiter, der überhaupt nicht daran denkt, sich an den Gepflogenheiten seiner Partei zu orientieren.

So erklärte der Immobilien-Mogul Donald J. Trump, der in allen Umfragen führt, gleich zu Beginn, dass er 2016 womöglich auch als unabhängiger Präsidentschaftskandidat antritt, wenn er bei den Vorwahlen nicht siegt. Eine schockierende Ankündigung für die Republikaner, da Trump ihnen auf diese Weise ziemlich sicher den Weg ins Weiße Haus verbauen würde.

Von Anfang an brachte Trump zudem eine ungewöhnliche Schärfe in die Diskussion. Normalerweise setzen die Kandidaten sich weniger mit ihren Konkurrenten auseinander, sondern nutzen die Gelegenheit, sich und ihre Ideen erstmals einem großen Fernsehpublikum vorzustellen. Doch dazu hatten sie wenig Gelegenheit. Trump durfte weit mehr und länger reden als sie. Er kam auf gut 11 Minuten, seine Konkurrenten lediglich auf je sieben. Wie schon oft zuvor verunglimpfte Trump seine Parteifreunde immer wieder als „dumm“ und mokierte sich zudem über eine Moderatorin. Als sie ihn nach seinen abfälligen Aussagen über Frauen befragen wollte, konterte er nur, dass er „keine Zeit für politische Korrektheit“ habe und Amerika im Übrigen auch nicht. Die Lacher des Publikums hatte er da auf seiner Seite.

Trotz alledem gelang es einigen seiner Konkurrenten, sich in Szene zu setzen. John Kasich, der Gouverneur von Ohio, tat dies, indem er sich unmittelbar auf Trump bezog. Der träfe einen Nerv mit seiner Kritik: „Die Leute sind frustriert, sie haben die Nase voll, sie glauben nicht, dass die Regierung in Washington für sie arbeitet.“ Deshalb wendeten sie sich Trump zu. Das dürfe man nicht einfach ignorieren. Der bisher eher blasse Kasich nutzte die Gelegenheit gut, um zudem auf seine Erfolge als Gouverneur zu verweisen.

Weit weniger überzeugend präsentierten sich der junge Senator von Florida Marco Rubio und Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin. Rubio zeigte sich zwar sachkundig und kämpferisch, blieb jedoch eher eine Randerscheinung in der Debatte. Auch Walker, ein Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, gelang es nicht, starke Akzente zu setzen, obwohl er einmal mehr seine entschiedene Ablehnung von Abtreibungen betonte. Kaum einen bleibenden Eindruck hinterließen die anderen Teilnehmer: Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, der Arzt Ben Carson, der einzige Schwarze in der Runde, Mike Huckabee, der frühere Gouverneur von Arkansas, sowie die Senatoren Rand Paul und Ted Cruz.

Überraschend schwach präsentierte sich Jeb Bush, der Favorit des Partei-Establishments. Das lag jedoch auch an seiner schwierigen Ausgangssituation: Als moderatester Kandidat hat er es in den Vorwahlen der seit Jahren immer konservativer werdenden Republikanischen Partei schwer. Daher versucht er mit seinen Siegchancen gegen die Demokraten zu punkten, was in einer solchen Debatte nicht gerade Beifallsstürme auslöst. Er kritisierte auch pointiert den Umgangston Donald Trumps: „So werden wir nicht gewinnen. (…) Wir brauchen eine hoffnungsvolle, optimistische Botschaft.“ Was ihm prompt Trumps Replik einbrachte, dass die Probleme Amerikas zu wichtig seien, um sich über den Umgangston Gedanken zu machen.

Am Ende konnte die Debatte keinen Sieger haben, weil aufgrund der knappen Zeit kaum debattiert werden konnte. Es war jedoch zu erkennen, dass die neun Politiker bislang kein Mittel gegen die unorthodoxen und derben Aussagen von Donald Trump gefunden haben.