Ein Kommentar Von Daniel Haufler

Die Vorwahlen der Republikaner in den USA sind dank  Donald Trump wieder zu einer Clowns-Show verkommen. Je länger er im Rennen bleibt, desto mehr sinken ihre Chancen aufs Weiße Haus.

Was haben die Republikaner in den USA auf diesen Augenblick gewartet: Die Amtszeit von Präsident Barack Obama neigt sich dem Ende zu – und sie können darauf hoffen, nach dem Repräsentantenhaus und dem Senat auch das Weiße Haus wieder zu erobern. Eine schöne Aussicht nach zwei herben Wahlschlappen republikanischer Kandidaten gegen den ihnen verhassten Obama. Jenen Präsidenten, der für all das steht, was den Konservativen in Amerika zuwider ist: eine bahnbrechende Reform des Gesundheitswesens, ein großzügiges Einwanderungsrecht, Waffenkontrolle und die Ehe für alle, Klimaschutz, militärische Zurückhaltung und diplomatische Lösungen mit den Erzfeinden Kuba und Iran.


Nun also könnten die Republikaner diesem Schrecken ein Ende machen. Und dann das! Statt eines Vorwahlkampfes, in denen die Kandidaten mit ihren Konzepten um Wählerstimmen werben, statt eines ordentlichen Schlagabtauschs politischer Konkurrenten, ist der Vorwahlkampf wieder zu einer Clowns-Show verkommen. Dieses Mal brauchen Republikaner dazu nicht einmal so viele Kandidaten wie vor vier Jahren. Damals sorgten Michele Bachmann, Herman Cain, und Newt Gingrich kurzzeitig für Aufsehen und errangen einen Spitzenplatz in den Umfragen, bevor ihre Kampagnen dank peinlicher Auftritte schneller implodierten als ein alter Röhrenfernseher.


Dieses Spektakel schadete der Partei und auch dem späteren Spitzenkandidaten Mitt Romney so nachhaltig, dass es sich aus Sicht der Republikaner nie wiederholen sollte. Doch dann erklärte Donald Trump seine Kandidatur, der Egomane, Multimilliardär und erfolgreiche Gastgeber einer Reality-TV-Show. Ein Mann, der keine Peinlichkeit kennt, der seine Parteifreunde abwechselnd als Clowns, Verlierer, dumm oder hässlich beschimpft, der keine Angst davor hat, es sich mit den politischen Eliten zu verscherzen, weil er selbst Teil der wirtschaftlichen Elite ist – und sich sowieso für ein Genie hält.
Trumps Auftritte dominieren die Medien. Zum Wohlgefallen der Wähler. Er führt mit weitem Abstand in allen Umfragen. Die anderen Kandidaten dagegen können kaum noch ihre Botschaften unter die Leute bringen. In diesem Sinne war auch die erste Debatte der republikanischen Kandidaten eine Trump-Show. Neun Berufspolitiker versuchten, Trump als Scharlatan zu entlarven und wurden von dem Medienprofi wie Erstklässler in die Ecke gestellt.
Der Erfolg von Trump kommt allerdings keineswegs aus heiterem Himmel. Mit seinen Ressentiments gegen Einwanderer und gesellschaftliche Verlierer bedient er gängige Vorstellungen der Republikaner. Seit Jahrzehnten steht die Partei für soziale Exklusion und kämpft gegen Sozialleistungen des Staates, weil sie vor allem Minderheiten zugute kommen – also meist Schwarzen oder Latinos. Trump profitiert mit seinen Tiraden von den Ängsten der konservativen weißen Unterschicht, die schlecht ausgebildet ist und teils zu Recht fürchtet, ihre Arbeitsplätze an Einwanderer zu verlieren. Seine Polemiken überzeugen diese republikanischen Wähler umso mehr, weil sie von einem politischen Außenseiter kommen, der mit dem Establishment in Washington nichts zu tun hat. Und weil er „wirklich reich“ und erfolgreich ist, wie er gern betont. 70 Prozent der potenziellen Wähler vertrauen daher auf seine ökonomische Kompetenz. Diese Basis will lieber, dass einer sagt, was er denkt, als dass er wirklich gegen die Demokraten siegen kann.

Trumps Aufstieg hat aber noch einen anderen Grund: den Trend zum Politainment, der Verbindung von Politik und Entertainment. War das Geburtstagsständchen von Marilyn Monroe für John F. Kennedy noch die Ausnahme, versuchten Spitzenpolitiker spätestens seit Bill Clintons Saxophon-Nummer in Arsenio Hall Show 1992, die Wähler mit Auftritten in Unterhaltungssendungen zu erreichen. Ein schlagfertiger Satz in der Talkshow von David Letterman oder Jimmy Fallon ersetzt spielend eine gute Rede im Kongress.
Keiner hat das besser begriffen als Barack Obama. Er trat allein bei Letterman achtmal auf, siebenmal bei dem Satiriker Jon Stewart und sogar bei Zach Galifianakis, dessen Blödelshow nur im Internet läuft, aber dort mit Riesenerfolg. Obama bekam bei ihm die Gelegenheit, für seine Gesundheitsreform zu werben und konnte schon am nächsten Tag den Erfolg sehen, weil sich Tausende neu krankenversichern ließen.
Politainment hat also durchaus seine strahlende Seite. Die dunkle Seite ist Donald Trump. Da das Publikum nun auch bei Politikern mehr denn je auf Schlagfertigkeit und Originalität getrimmt ist, gewinnt derjenige, der das bietet. Und derzeit schlägt keiner besser und härter zu als Trump. Wenn er im Präsidentschaftsrennen bleibt, wird er die Republikaner zur Verzweiflung treiben – und mit jedem Tag sinken ihre Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus.

P.S. David Letterman wusste wie man Trump packen kann: