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Republikanische Kandidaten

Das Ziel ist klar: Die US-Republikaner wollen im Herbst nächsten Jahres die Demokraten aus dem Weißen Haus in Washington vertreiben. Acht Jahre werden dann vergangen sein, in denen Barack Obama Präsident war. Das waren – nach Ansicht der Konservativen – acht Jahre zu viel. Doch angesichts der Fülle von Kandidaten, die sich anschicken, in den Wahlkampf zu ziehen, wird den Republikanern inzwischen flau im Magen. Sie fürchten, dass die innerparteilichen Kämpfe die Erfolgschancen schmälern. Wir stellen die wichtigsten Kandidaten vor:

Im Grunde ist das nicht neu: In jedem Vorwahlkampf versuchen die Bewerber um die offizielle Kandidatur zunächst einmal, die konservative Wählerbasis mit saftigen Kommentaren zu verwöhnen. So sind die politischen Standpunkte plötzlich viel extremer als noch vor wenigen Monaten. So werden aus gesellschaftspolitischen Realisten quasi über Nacht Kurzzeit-Radikale.

Jeb Bush ist ein gutes Beispiel dafür. Noch vor einigen Wochen sprach er sich für die Homo-Ehe aus, jetzt aber lässt er erkennen, dass er doch der traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau den Vorzug geben würde. Solche Ideen dürfen nicht zu ernst genommen werden. In der Regel werden Präsidentschaftswahlen in der Mitte der Gesellschaft entschieden. Der Kampf um diese Wählergruppe beginnt erst dann, wenn sich Demokraten und Republikaner auf je einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das höchste Amt im Staat geeinigt haben. Dann werden gemäßigte Positionen eingenommen.

Republikanische Strategen fürchten allerdings, dass der Einigungsprozess ungewöhnlich lange dauern könnte. Es sind einfach zu viele (Möchtegern-)Bewerber, die derzeit alle laut durcheinander rufen, um sich Gehör zu verschaffen. Das hat zumindest Reince Priebus, als Chef des Republican National Committee so etwas wie ein Parteichef ohne Richtlinienkompetenz, schon erkannt. Es klang wie eine Ermahnung, als er erklärte, die Demokraten mit Hillary Clinton unangefochten an der Spitze der viel kleineren Kandidatenriege müssten im kommenden Jahr nur gut sein. Die Republikaner dagegen müssten exzellente Arbeit abliefern. Davon allerdings ist bislang wenig zu spüren.

Eine Auswahl der wichtigsten Kandidaten:

Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida

by Michael Vadon

(Foto by Michael Vadon)

Profil: Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush und Sohn des Ex-Präsidenten George H. W. Bush; hat angeblich schon mehr als 100 Millionen US-Dollar in der Wahlkampfkasse.

Vorteil: gilt als Mann der Mitte und damit attraktiv für Republikaner aller Art

Nachteil: die liebe Familie; kann sich bisher nicht vom Bruder absetzen

Fazit: Dennoch Top-Favorit

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Scott Walker, Gouverneur von Wisconsin

Scott Walker

Profil: gilt als Held, weil er 2012 ein Abwahlverfahren in Wisconsin überstand; verfolgt eisernen Sparkurs, hat Gewerkschaftsrechte beschnitten

Vorteil: hemdsärmeliger Macher nach dem Motto: Wer es mit Lehrern und Gewerkschaften aufnimmt, der kann es auch mit den IS-Terroristen aufnehmen

Nachteil: der zeitweilige Heldenstatus ist nicht genug

Fazit: kann es schaffen, ist der Geheimfavorit

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Rand Paul, Senator für Kentucky

Photo by John Pemble

Photo by John Pemble

Profil: radikalliberaler Isolationist; scharfer Kritiker der NSA-Abhörpraktiken im Inland

Vorteil: viele junge Anhänger

Nachteil: libertäres Gedankengut ist in der Wählerschaft nicht mehrheitsfähig

Fazit: dürfte es seinem Vater nachmachen; Ron Paul bewarb sich dreimal vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur.

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Marco Rubio, Senator für Florida

Photo by Gage Skidmore

Photo by Gage Skidmore

Profil: Kind kubanischer Einwanderer; würde Guantanamo wieder öffnen, wenn Obama das Lager schließen sollte

Vorteil: für Reform der Einwanderungsgesetze, das bringt Latino-Stimmen

Nachteil: tritt gegen seinen Mentor Jeb Bush an, das sehen viele kritisch

Fazit: nicht chancenlos, sollte aber nicht zu viel Geld dafür verschwenden, schon 2016 Kandidat zu werden.

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Ted Cruz, Senator für Texas

Ted Cruz

Profil: scharfzüngiger Ex-Staatsanwalt mit Hang zur Dauerrede; versucht sich als Gegenmodell zum gemeinen Washingtoner Politiker zu stilisieren

Vorteil: Populist

Nachteil: Populist

Fazit: Er kann es auch 2020 wieder versuchen.

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Chris Christie, Gouverneur von New Jersey

Photo by Marc Nozall

Photo by Marc Nozall

Profil: hat wegen eines Skandals um die Sperrung einer Brücke nach New York samt Verkehrschaos Popularität eingebüßt; in der Partei umstritten, seit er nach dem Sturm „Sandy“ 2012 freundliche Worte für Obama fand

Vorteil: kann leidenschaftlich reden Nachteil: wirkt auf viele Konservative nicht vertrauenswürdig

Fazit: Sturmopfer

Gouverneur von Texas, Präsidentschaftsbewerber 2012

Profil: glühender Anhänger der Todesstrafe und Liebling der Waffenlobbyisten von der National Rifle Assocation, nimmt zum Joggen eine Pistole mit (Koyoten-Gefahr!)

Vorteil: hat in Texas viele Freunde

Nachteil: das lässt sich nicht auf die gesamten USA übertragen

Fazit: Zählkandidat

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Rick Perry, Ex-Gouverneur von Texas, Präsidentschaftsbewerber 2012

Kate Spalla for WEBN-TV Boston

Kate Spalla for WEBN-TV Boston

Profil: glühender Anhänger der Todesstrafe und Liebling der Waffenlobbyisten von der National Rifle Assocation, nimmt zum Joggen eine Pistole mit (Koyoten-Gefahr!)

Vorteil: hat in Texas viele Freunde

Nachteil: das lässt sich nicht auf die gesamten USA übertragen

Fazit: Zählkandidat

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Donald Trump, Milliardär, Reality-TV-Star

Photo by Gage Skidmore

Photo by Gage Skidmore

Profil: Großmäuliger Selbstdarsteller, der weder Freund noch Feind kennt. Zudem ist er ein Rechtspopulist, der vielen Konservativen aus dem Herzen spricht.

Vorteil: Ist authentisch, hat viel Geld und die Aufmerksamkeit der Medien.

Nachteil: Ist authentisch, viel Geld und die Aufmerksamkeit der Medien.

Fazit: Wird die Schlagzeilen beherrschen und den anderen Kandidaten das Leben schwer machen, bis er aussteigt.

John Kasich, Gouverneur von Ohio

Photo by Brian Timmermeister

Photo by Brian Timmermeister

Profil: pragmatischer Konservativer; hat sich aber Feinde gemacht, weil er die Gesundheitsversicherung „Obamacare“ nicht rundheraus ablehnt

Vorteil: offen für neue Ideen wie das deutsche duale Ausbildungssystem

Nachteil: neue Ideen sind nicht immer mehrheitsfähig – siehe „Obamacare“

Fazit: nicht mehr als ein Vizepräsidentschaftskandidat

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Mike Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas, Präsidentschaftsbewerber 2008

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Profil: konservativer Fernseh- und Rundfunkmoderator, der seine Anhänger vor allem in der evangelikalen Bewegung sucht; Gegner von Abtreibung und Homo-Ehe

Vorteil: ist bekannt

Nachteil: Predigerstil

Fazit: Was 2008 nicht gelang, wird auch 2016 nicht gelingen.

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Und so sieht die jüngste Umfrage aus:

Umfrage Washington Post 21.7.2015